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Wenn der Ruhestand eines Menschen naht, der viele Jahre und Jahrzehnte an einer Schule war, tauchen oft die gleichen Formulierungen auf: Von „Originalen“, „unverzichtbaren Mitarbeitern“ und „Urgesteinen“ ist dann gerne die Rede. Wenn der scheidende Mensch der Hausmeister ist, wird er gerne als „gute Seele“, „Mann für alle Fälle“ oder „Herr der Schlüssel“ bezeichnet. Wenn dieser Hausmeister ein Werner Fleiß ist – was dann?

Nach knapp drei Jahrzehnten am Pascal-Gymnasium wissen alle, die je mit ihm zusammenarbeiten durften: Keine der genannten Bezeichnungen beschreibt erschöpfend, was die Schule verliert, seit Werner Fleiß am 1. September 2017 seinen großen Schlüsselbund an seinen Nachfolger überreicht hat und in den Ruhestand gegangen ist.

Aber fangen wir vorne an. Werner Fleiß macht um seine Person nicht viel Aufhebens, sein Lebenslauf ist auf den Punkt gebracht erzählt: Geboren wurde Werner Fleiß im Januar 1954 in Münster. „Ich bin Steinbock – das sind die besten Menschen“, lacht er, als er im Interview anlässlich seiner Verabschiedung den Fragen der Redaktion Rede und Antwort steht. Grund- und Hauptschule besuchte er in Mecklenbeck, nach dem Hauptschulabschluss 1969 absolvierte er eine Lehre zum Flachdachisolierer, später machte er noch in Essen seinen Baupolierschein. Nach der damals noch zweijährigen Wehrdienstzeit in Handorf folgte die erste Anstellung bei der Firma Rouberoid. 1974 war für Werner Fleiß ein besonderes Jahr: Im Januar wurde Tochter Melanie geboren, im Juni heiratete er seine Frau Vera. „Meine Frau kenne ich seit meinem 12. Lebensjahr, und jetzt sind wir 43 Jahre glücklich verheiratet – dafür darf man dankbar sein!“

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Bis 1968 war Werner Fleiß Vorabeiter bei der Firma Klaus Schmidt Bedachungen, danach folgte eine Anstellung bei der Stadt Münster, wo er zunächst anderthalb Jahre bei den Abfallwirtschaftsbetrieben als Fahrer arbeitete.

1988 eröffnete sich dann die Gelegenheit, Hausmeister an einer Schule in Münster zu werden. Fünf Schulen standen damals zur Auswahl. Warum seine Wahl auf das Pascal-Gymnasium fiel? Die Antwort ist gewohnt pragmatisch: „Hier war die Hausmeisterwohnung am schönsten!“ Damit war die Entscheidung gefallen, die die nächsten drei Jahrzehnte der Schule prägen sollte. In dieser Zeit hat Werner Fleiß alle bisherigen fünf Schulleiter der Schule erlebt, diverse Umbau- und Renovierungsphasen der Schule durchgestanden, die unterschiedlichsten Lehrerinnen und Lehrer unterrichten und gut drei Duzend Schülergenerationen aufwachsen sehen. Kann man da überhaupt sagen, ob es unter den vielen großen und kleinen Erinnerungen eine schönste Erinnerung gibt? Werner Fleiß huscht ein verschmitztes Lächeln ins Gesicht: „Auf jeden Fall, aber die kann man nicht öffentlich erzählen!“ Dann fällt ihm doch noch etwas aus einer Zeit ein, in der die Abibälle in der schuleigenen Aula wurden: „Irgendwann in den 1990er Jahren fand ein Abiturball in der Aula statt. Ich war nicht dorthin gegangen, aber die Abiturienten ließen mir das nicht durchgehen: Nach kurzer Zeit kamen die Schüler herüber und haben bei uns im Garten gesessen und mit mir gefeiert – und das nur, weil ich nicht erschienen war.“ Werner Fleiß, der nie viel Wesen um seine Person macht, ist auch nach all den Jahren noch sichtlich gerührt von dieser großen Geste. Aber richtig glücklich machen ihn vor allem die kleinen Gesten: „Wenn einem beispielsweise Oberstufenschülerinnen als Dankeschön für etwas Wiedergefundenes am nächsten Tag selbstgebackenen Apfelkuchen mitgebracht haben, das ist wirklich ganz rührend!“

Die kleinen Dinge im Leben: Der große Werner Fleiß weiß sie zu schätzen. Wenn er nicht gerade geschäftig seine Runde durch das Gebäude und über das Gelände dreht, ist er gerne an seinem Lieblingsplatz, auf der Terrasse an der EssBar: „Wenn ich dort sitze und in Richtung Tischtennisplatten gucke, habe ich alles im Blick.“ Die Hausmeisterloge wird ihm nicht fehlen: „Die ist wie ein kleiner Affenkäfig und müsste dringend vergrößert werden, das Fenster ist auch zu klein.“ Aber darum soll sich sein Nachfolger kümmern. Welches seine Lieblingszeit ist? Der Abend, wenn alles ruhig wird? „Nein, auf keinen Fall, das ist mir zu ruhig! Ich bin ab 6.30 Uhr in der Schule, dann freue ich mich schon darauf, dass der Rummel losgeht!“

Jeden Morgen um halb fünf aufzustehen und um halb sieben mit der Arbeit anzufangen – das wird ihm sicher nicht fehlen. Werner Fleiß hat Vieles, worauf er sich freuen kann: „Jetzt habe ich endlich viel Zeit für meine Familie.“ Und bei den meisten Zukunftsplänen scheinen fahrbare Untersätze eine Rolle zu spielen: „Ich werde mit meinen Enkeln und Urenkeln Bauernhöfe besuchen und Traktor fahren, dann mit Freunden eine paar Tage mit Trikes quer durch Deutschland ziehen und mir noch ein kleines Wohnmobil mieten. Darin möchte ich mit meiner Frau in den Urlaub fahren.“ Einen Fallschirmsprung hat er auch noch auf seiner Wunschliste: „Aber da muss ich vorher meinen Orthopäden fragen, ob mein Rücken das mitmacht!“ Überhaupt freut er sich, von nun an seine Freizeit frei einteilen zu können und nicht mehr an die Schulferien gebunden zu sein. Auch nach Japan würde er gerne, aber das lässt der Gesundheitszustand seiner Frau nicht zu, und ohne sie würde Werner Fleiß nicht fahren: „Meine Frau bedeutet mir alles, sie hat mir all die Jahre immer den Rücken freigehalten.“

Gibt es denn etwas, was der gemeine Pascaler nicht über Werner Fleiß weiß? Die ausgefeilten Kochkünste des „Anpackers“ dürften nicht allzu bekannt sein: „Ich koche gerne, auch türkisch und chinesisch, besonders gerne Fisch. Auch backen kann ich gut: Da ist dann von Apfelkuchen über Weihnachtsplätzchen und Nussecken bis zu selbstgemachten Marzipanpralinen alles mit dabei!“ Wie kam es dazu? Die Antwort ist wieder typisch pragmatisch: „An der Matthias-Claudius-Schule haben mein späterer Schwager und ich als einzige Jungs die Hauswirtschafts-AG besucht – da waren 26 hübsche Mädchen drin. Die haben wir dann alle von unserem Taschengeld während des Einkaufs auf einen Apfelsaft eingeladen – seitdem koche und backe ich gerne!“

Doch zum Ende des Gesprächs, als er gefragt wird, was ihm am meisten fehlen werde, merkt man Werner Fleiß die Leidenschaft für seine Arbeit am Pascal-Gymnasium an: „Die Arbeit mit den vielen Kindern, mit meinen netten Kollegen, die Zusammenarbeit mit den Lehrern, das freie, unbeschwerte Arbeiten, besonders in den letzten Jahren – all das wird mir fehlen. 19 Jahre habe ich mit Peter Kozik zusammengearbeitet, ohne dass wir uns auch nur einmal gestritten hätten. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er jetzt einen genauso netten Kollegen bekommt wie ich damals mit ihm.“

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Am 1. September 2017 hat sich Werner Fleiß mit einer großen und fröhlichen Feier auf dem Schulhof und in der EssBar von der gesamten Schulgemeinde verabschiedet. Dabei hatten alle Schüler, Lehrer, Kollegen und Vertreter der Stadt die Gelegenheit, sich mit persönlichen Worten des Dankes von dem sichtlich gerührten scheidenden Hausmeister zu verabschieden. Werner Fleiß revanchierte sich mit einem üppigen türkischen Buffet beim anschließenden Umtrunk.

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Ein netter Nachfolger hat seinen Dienst schon angetreten: Martin Holtkamp (rechts) tritt als neuer Hausmeister in große Fußstapfen. Nach der Abschiedsfeier auf dem Schulhof übergab Werner Fleiß ihm seinen Schlüsselbund.

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Wir danken Werner Fleiß für alles, was er in seinen Jahren am Pascal-Gymnasium geleistet hat. Wie oft hat er als „Herr der Schlüssel“ Schülern in Fahrradschlüsselnot geholfen, Türen auf- und Fenster abgeschlossen, als „Mann für alle Fälle“ kleinere und größere Schäden repariert, als „gute Seele“ tröstenden Worte für traurige Schüler gefunden und sich mit anderen über bestandene Prüfungen gefreut. Wie oft hat er mit Engelsgeduld jede noch so dumme Nachfrage beantwortet und Sonderwünsche ermöglicht. Wie oft haben sich Kollegen noch nach Unterrichtsschluss mit ihm lange unterhalten. Wir wünschen ihm und seiner Familie von Herzen alles Gute für die Zukunft!

W I C H T I G

Schuljahr 2017/2018

Wir freuen uns schon jetzt, Sie und Euch im neuen Schuljahr begrüßen zu dürfen! Die Materiallisten für die neuen 5. Klassen finden Sie hier. Eine Übersicht über die Unterrichts- und Pausenzeiten finden Sie hier.